24.02.2014, Dr. jur. Matthias Maurer

Kettenschenkungen: Optimale Nutzung steuerlicher Freibeträge

Steuern

Ein wesentlicher Bestandteil gelungener schenkung- oder erbschaftsteuerlicher Gestaltungen ist die optimale Nutzung der steuerlichen Freibeträge. Ziel muss es sein, das Vermögen einem nach Freibetrag und Steuersatz bevorzugten Erwerber zukommen zu lassen oder Freibeträge mehrfach zu nutzen. Dies lässt sich ggfs. auch über Umwege mit Mehrfachschenkungen erreichen.

Möchte beispielsweise der Vater einen Vermögenswert von € 800.000,00 an sein Kind übertragen, würde bei einer direkten Schenkung und nach Verrechnung mit dem Freibetrag von € 400.000,00 auf den überschießenden Schenkungsbetrag von € 400.000,00 eine Schenkungsteuer von 15 % oder € 60.000,00 anfallen.

Dieses Ergebnis lässt sich vermeiden, wenn der Vater zunächst an seine Ehefrau, die Mutter des gemeinsamen Kindes, den hälftigen Vermögensbetrag mit € 400.000,00 schenkt. Diese Schenkung bleibt unter dem zwischen Ehegatten geltenden Freibetrag von € 500.000,00, so dass hier keine Schenkungsteuer anfällt.

In einem zweiten Schritt schenken der Vater den bei ihm verbliebenen Vermögensbetrag von € 400.000,00 und die Mutter den ihr zugewandten Vermögensbetrag mit € 400.000,00 an das gemeinsame Kind. Dort kommt wie im Ausgangsfall das Gesamtvermögen mit € 800.000,00 an, da jedoch nun beide Schenkungen unter dem gesetzlichen Freibetrag liegen, entfällt die Schenkungsteuer mit € 60.000,00 vollständig.

Entscheidend ist in diesen Fällen die tatsächliche Ausgestaltung der Schenkungsverträge.

Gibt der Vater das Vermögen lediglich als Durchgangserwerb mit einer entsprechenden Weitergabeverpflichtung an seine Ehefrau, wird die Weiterschenkung der Mutter an das Kind steuerlich nicht anerkannt. Es ist daher darauf zu achten, dass die erste Schenkung ohne rechtliche Verpflichtung zur Weitergabe geschieht.

Es gilt folgendes zu beachten:

  • Schenkungsverträge dürfen keine Weitergabeverpflichtung enthalten.
  • Folgeschenkungen an den nächsten Erwerber dürfen nicht in der gleichen Urkunde wie die Erstschenkung erfolgen.
  • Zur Sicherheit sollte eine gewisse Frist zwischen beiden Schenkungen liegen.

Bei Einhaltung aller Vorgaben lassen sich durch geschickte Kettenschenkungen und Nutzung aller Freibeträge erhebliche Steuerbelastungen vermeiden.