10.08.2015, Philipp Kranz

Wie hoch muss die Ausbildungsvergütung sein?

Arbeitsrecht

Gemäß § 17 BBiG haben Auszubildende Anspruch auf eine „angemessene Vergütung“. Wann jedoch ist eine Vergütung angemessen?

Grundsätzlich ist die Frage nach der Angemessenheit einzelfallorientiert zu beantworten.

Anhaltspunkt für die Berechnung der Ausbildungsvergütung sollten zunächst einschlägige tarifliche Regelungen sein. Ein Tarifvertrag ist einschlägig, wenn er für das Arbeitsverhältnis räumlich, zeitlich und fachlich einschlägig ist und in einem vergleichbaren Wirtschaftskreis gilt. Beläuft sich die vereinbarte Vergütung auf zumindest 80 Prozent der einschlägigen tariflichen Vergütung, ist sie regelmäßig als angemessen zu erachten.

Empfehlungen von Kammern und Innungen mögen ebenfalls eine erste Orientierung bieten. Als Bezugsgröße vermögen sie jedoch nicht an die Stelle tariflicher Vereinbarungen zu treten, da nur letztere die Gewähr für eine Berücksichtigung der Interessen beider Seiten bieten.

Bei Ausbildungsverhältnissen, die zu 100 Prozent von der öffentlichen Hand finanziert werden, kann die einschlägige tarifliche Vergütung im Einzelfall auch um mehr als 20 Prozent unterschritten werden, sofern der Ausbildungsplatz ohne die Förderung nicht zur Verfügung gestanden hätte und der Ausbilder die Leistungen des Auszubildenden nicht selbst verwertet. In solchen Fällen hat das Bundesarbeitsgericht jüngst eine Vergütung für angemessen befunden, die zumindest zwei Drittel des BaföG-Satzes erreicht.

Ausbildungsbetriebe sollten sich vorgenannter Grundsätze bewusst sein. Ist die Ausbildungsvergütung nämlich unangemessen niedrig, hat der Auszubildende regelmäßig Anspruch auf Zahlung der Differenz zur vollen einschlägigen tariflichen Vergütung.

Rechtsanwalt Philipp Kranz von der Kanzlei Maurer-Kollegen in Mainz berät Sie gerne hinsichtlich sämtlicher Fragen des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) sowie des Arbeitsrechts im Allgemeinen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.